Reisebericht der Tandemtour von Rovaniemi nach Schaffhausen
21.Juli bis 10.September 2026
Am 21.Juli flogen wir mit der Finnair von Zürich über Helsinki nach Rovaniemi. Unsere grösste Sorge galt dem Tandem, da für den zweiten Flug ein kleineres Flugzeug eingesetzt wurde als gebucht. Die Sorge war umsonst, alles klappte perfekt und nach zweistündigem Zusammenbau von Tandem und Anhänger starteten wir zur langen, langen Heimfahrt.
Der Ounaskoski Camping am Fluss Kemijoki ist für uns der schönste Platz von all unseren Zeltnächten. Hier bekam Andrea mit einer Vanilleglace am 29.Juli 2011 den Heiratsantrag. Da bei rund 30 Grad das Eis schnell schmolz, musste sie sich mit dem «JA» sehr beeilen.
Auch im 2026 gab es wieder eine Vanilleglace und auch den fast obligatorischen Besuch beim Santa Claus am Polarkreis.

Bei kühlem und regnerischem Wetter starteten wir südwärts in Richtung Ostsee. Teilweise über nasse Schotterstrassen, die Kettenschaltung war gar nicht happy darüber. Alles verklebte und äusserte sich mit nervigen Geräuschen.
In Simo erreichten wir die Ostsee und auf dem Camping Lapin Rinki konnten wir unser neues Tunnelzelt im Regen so richtig testen. Das Aussenzelt wird als erstes aufgebaut und als letztes abgebaut, das Innenzelt kann somit immer trocken eingehängt und auch verstaut werden. So macht Camping im Regen fast schon Freude.
In Oulu, europäische Kulturhauptstadt 2026, genossen wir die vorbildlichen Radwege. Generell hat Finnland in den letzten Jahren sehr viel für die Radfahrer investiert. Immer entlang der Ostsee ging es über Raahe weiter nach Kalajoki. Beim Einkauf im Supermarkt hatte Andrea wohl schon grossen Hunger: 900gr Fischstäbchen und 400gr Kartoffelsalat. Zum Glück haben wir eine grosse Bratpfanne, in 2 Portionen war alles gebraten.
Über Kokkola und Jakobstad fuhren wir nach Vaasa, bekannt vor allem für Langlauf Fans. Aber auch im Sommer hat die Hafenstadt Vaasa viel zu bieten: Segel- und Kanutouren im Kvarken Archipel, schöne Strände, das einladende Stadtzentrum, die imposante Replot Brücke, welche wir per Tandem besuchten und auch den schön gelegenen Campingplatz auf der Insel Vaskiluoto.

Vorbei am schönen Strand von Korsnäs fuhren wir nach Kaskinen, imposant auf einer Halbinsel gelegen und bekannt durch die frühere Holzindustrie. Weiter über Merikarvia nach Pori zum bekannten 3 Kilometer langen Yyteri Sandstrand. Nun folgte die Radweg Abkürzung auf einer ultraschmalen Hängebrücke über den Fluss Eurajoki. Auf dem wunderschön gelegenen Poroholman Camping blieben wir 2 Nächte um die Unesco Kulturstadt Rauma zu besuchen.
In Uusikaupunki verbrachten wir die letzte Nacht auf dem finnischen Festland. Ab Taivassalo ging es über mehrere Dämme auf die Insel Leonsaari. Ab Kustavi eine 5min Fähre und ab Vuosnainen in 45min zur Brandö Inselgruppe. Die Fahrt über die roten Strassen durch Brandö und der Camping Fisketorpet auf Korsö ist etwas vom landschaftlich schönsten was wir bisher erlebt haben.
Die regnerische, gut einstündige Fährfahrt von Brandö nach Kumlinge inmitten von vielen anderen Radfahrern wird auch unvergessen bleiben. Nicht alle waren gut ausgerüstet für das feuchte Wetter.
Nach einer Zeltnacht beim Kumlinge Gasthamn verliessen wir die kleine Insel wieder mit der Fähre. 75 Minuten dauert die Fahrt nach Hummelvik auf der Insel Vardö, dann 11km auf dem Tandem, nochmals eine 5min Fähre und wir sind auf der grossen Insel Åland. Vorbei an der ehemaligen russischen Festung Bomarsund fuhren wir quer durch die Insel zur Hauptstadt Mariehamn. Åland ist eine autonome und schwedischsprachige Region, die offiziell zu Finnland gehört. Uns hat es sehr gut gefallen dort, wenn wir jetzt auswandern müssten wäre Mariehamn unter den Top 5 unserer Traumorte.

Auf der Fahrt nach Eckerö ereilte uns ein sehr seltener Defekt am Tandem: Kettenriss. Dank dem richtigen Werkzeug, einem Nietendrücker und dem passenden Ersatz Kettenglied für uns kein Problem. Es war auch der einzige Defekt auf der ganzen Reise. Mit den Eckerölinjen ging es dann in 2 Stunden nach Grisslehamn in Schweden. Hier erwarteten uns als Radfahrer wieder die bekannten, schmalen und verkehrsreichen schwedischen Strassen. Radwege gibt es leider meist nur innerorts, zum Glück sind wir nur 4 Tage in Schweden.
Das Wetter meinte es gut mit uns, Stockholm bei Sonnenschein ergibt viele schöne Fotos. Auch die Campingplätze waren sehr angenehm und in Nynäshamn versüsste eine coole Bäckerei die Wartezeit für die Fähre der Polferries. Nach 18 Stunden Fahrt über Nacht erreichten wir Danzig in Polen. Schnell wurden die Erinnerungen an 2011 wach. Die Wahrzeichen der Stadt, das Krantor, der Neptunbrunnen und der Stadtcamping, wie wenn wir erst gestern dort gewesen wären.
Vorbei an Gdynia und Puck starteten wir zur Fahrt entlang der polnischen Ostseeküste. Da wir im 2011 öfters mal im Sand fast stecken blieben, hatten wir nicht die besten Erwartungen für die Radwege. Daher staunten wir nicht schlecht was die Polen in den letzten 15 Jahren investiert haben. An der gesamten Küste gibt es nun sehr schöne Radwege, gesäumt von unzähligen Imbiss- und Glace Ständen. Da es gerade Ferienzeit war, tummelte sich halb Polen auf den wunderschönen Sandstränden von Leba, Ustka, Jaroslawiec, Mielno und Niechorze.

In Miedzywodzie verliessen wir die Ostsee und fuhren südwärts über Wolin und Kopice durch Pomorze Zachodnie (Westpommern) direkt nach Stettin. An der Hakenterrasse mit dem berühmten Brunnen und dem imposanten Passamt starteten wir zur Fahrt entlang der Oder. Endlose Dämme, welche wir nun schon zum dritten Mal befahren und Nächte auf den uns bestens bekannten Zeltplätzen. In Neuzelle dann der wichtigste Stopp: In der Brauerei des Klosters gibt es für Toni das weltbeste Bier: Neuzeller Klostermalz.
In Ratzdorf verabschieden wir die Oder, entlang der Neisse geht es nun südwärts. Unterwegs beeindrucken der Wasserturm in Forst und das Fürst Pückler Schloss in Bad Muskau. Auf dem Zeltplatz Winkelhof in Sagar werden wir wie schon vor 15 Jahren herzlich empfangen von der Familie Marko. Auch die Radwege entlang der Lausitzer Neisse gehören zum schönsten was sich ein Radfahrer wünschen kann.

Vorbei am Friedensengel in Rothenburg und der Peterskirche in Görlitz fahren wir zum Berzdorfersee. Wo früher ein riesiges Kohletagbauwerk war, ist jetzt ein wunderschöner Badesee mit einem Volumen von 330 Millionen Kubikmeter Wasser. Nach Zittau mit seiner berühmten Blumenuhr geht es mal wieder bergwärts bis Lückendorf. Hier heisst es «Dobry den» Tschechien. In Melnik geniessen wir den romantischen Sonnenuntergang beim Schloss. Entlang der lieblichen Moldau fahren wir nun nach Prag und bestaunen die imposante Karlsbrücke. Die Campings in Trebonice, Ejpovice und Babylon lassen uns wieder in Erinnerungen schwelgen.
Bei Furth im Wald sind wir wieder in Deutschland und entlang dem Fluss Regen geht es auf schönsten Radwegen nach Regensburg zur Steinernen Brücke. Die Donau begleitet uns nun vorbei an der Befreiungshalle in Kelheim, dem Kreuztor in Ingolstadt, dem Schloss in Neuburg an der Donau und dem Rathaus in Ulm bis nach Sigmaringen. Die letzten 80km nach Hause begleitet uns erstmals der liebe Rückenwind, wir fliegen fast nach Schaffhausen.

Wir übernachteten 1x am Flughafen, 1x auf der Fähre, 49x im Zelt
Total stehen wir nun schon bei 583 Zeltübernachtungen
Wir radelten in 52 Tagen 3403km weit
Davon hatten wir mindestens 40 Tage Gegenwind, teilweise über 40km/h
Total stehen wir nun schon bei 65’489 Tandemkilometer
Fotoalbum Teil 1
Fotoalbum Teil 2
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